Josquin Desprez und sein Vermächtnis

Musikalische Reaktionen seiner Zeitgenossen und Nachfolger

Über Josquin Desprez, den unumstrittenen Meister der Polyphonie im späten 15. / frühen 16. Jahrhundert, wurde bereits viel gesagt und geschrieben. Mit seiner Expressivität, der Meisterschaft seiner kontrapunktischen Imitation und seiner Sensibilität für Textdeklamation pionierte Josquin auf dem Gebiet vieler kompositorischer Techniken, die Komponisten noch Jahrhunderte nach ihm verwenden sollten. Dieses Programm erforscht den Einfluss, den der übergroße Josquin auf andere Komponisten seiner Ära und seine Schüler und Nachfolger hatte. Das Requiem seines Schülers Jean Richafort formt das Zentrum des Programms. Es wurde von Richafort als Verbeugung und Liebeserklärung, und zum Gedenken an seinen verstorbenen Meister geschaffen. Es basiert in seiner Gesamtheit auf zwei Cantus Firmus–Stimmen mit direktem Bezug zu Josquin: „Circumdederunt me“ und „C’est douleur non pareille“. Erstere war ein Liebling von Desprez (verwendet in Nymphes, nappés), letztere ein Zitat aus seinem Chanson Faulte d’argent. Das Ergebnis dieser Symphonie aus Klang und jenseitigem Licht ist die unglaubliche, von Ruhe durchflossene Schönheit dieses Requiems, welche Herz und Seele in Liebe und Dankbarkeit durchatmen lässt. Dann lässt sich erahnen, wie groß ebendiese Liebe und Dankbarkeit Jean Richafort empfunden haben muss, dass sie noch heute, 500 Jahre später in ihrer strahlenden Kraft die Menschen bewegt.

Mit Werken von: Josquin Desprez, Richafort, Gombert.